Tage 50-64: Sierra Nevada

Tage 50-64: Sierra Nevada

In der Sierra Nevada bin ich nicht mehr zum Bloggen gekommen, da die Tage lang und anstrengend waren und ich abends zu müde.

Eigentlich hätte die bisher zurückgelegte Strecke in der Sierra Nevada viel mehr Blogeinträge verdient, aber um wieder aufzuholen gibt es jetzt einfach einen größeren zusammenfassenden Beitrag.

Der Trail in der Sierra Nevada ist wunderschön. Es ging zunächst durch den Sequoia National Forest, dann Sequoia National Park, Kings Canyon National Park und die John Muir Wilderness. Anders als zunächst erwartet, liegt oben auf den Pässen doch noch relativ viel Schnee. Die ersten Pässe lagen alle bei ca. 3600m Höhe. Eine Ausnahme bildete der erste Pass – Forester Pass – der mit knapp über 4000m der höchste Punkt des Trails ist. Die weiteren Pässe in den letzten Tagen lagen dann etwas niedriger bei ca. 3300m.

Bevor es über die Pässe ging, gab es aber noch einen Extraausflug auf Mt. Whitney, den höchsten Berg der USA außerhalb von Alaska. Mit 4421m der höchste Punkt, den ich jemals betreten habe. Auf Mt. Whitney bin ich zusammen mit Shotput und Porcelaine gewandert, mit denen ich auch schon am Vortag phasenweise unterwegs war. Mt. Whitney war trotz seiner Höhe schon fast Schneetreiben – bis auf ein kleineres etwa 30m langes Schneefeld in der Nähe des Gipfels. Der Aufstieg war anstrengend und ich habe eindeutig gemerkt, dass in der Höhe alles anstrengender ist und man auch mehr atmen muss / schneller außer Atem ist. Wir sind gegen 7 Uhr morgens aufgebrochen und waren gegen Mittag auf dem Gipfel. Dort sind wir etwa eine Stunde lang geblieben, bevor es dann wieder nach unten ging. Es hat insgesamt fast den ganzen Tag in Anspruch genommen.

Blick auf einen See am Anfang des Aufstiegs auf Mt. Whitney.
Auf halbem Weg.
Auf dem Gipfel
Das Schneefeld in der Nähe des Gipfels.
Panoramaaufnahme

Der Auf- und Abstieg auf Mt. Whitney hat mich ganz schön erschöpft. Trotzdem habe ich mich im Anschluss entschieden, noch einige Meilen auf dem PCT weiter zu wandern, denn ich wollte etwas näher an den Forester Pass herankommen, der für den nächsten Tag auf dem Plan stand. Da es auf den Pässen noch viel Schnee gibt, ist es ratsam, sie früh morgens zu begehen, bevor die starke kalifornische Sonne den Schnee weich werden lässt.

Am nächsten Tag ging es dann früh morgens Richtung Forester Pass. Der Aufstieg hat dennoch den ganzen Vormittag gedauert. Jetzt war ich mit Caesar, Bumble und Freight Train unterwegs. Als wir am Mittag den Abstieg auf der Nordseite begonnen haben, war der Schnee leider doch schon sehr weich. Daher war sogenanntes Postholing angesagt. So nennen es die Amerikaner, wenn man im weichen, angetauten Schnee einsinkt. Manchmal nur bis zum Knie, Manchmal auch bis zur Hüfte. Das ist keine besonders angenehme Erfahrung und keine besonders würdevoll Art zu wandern. Man läuft einige Schritte normal und plötzlich sinkt man wieder ein, muss dann erst mühsam das Bein befreien, bevor es weitergehen kann. Ich war froh, als wir endlich wieder tieferes, schneefreies Gelände erreicht hatten, aber insgesamt liefen meine ersten Erfahrungen im Schnee trotz des Postholings gut und es hat auch dennoch Spaß gemacht. Ich habe dadurch aber den Entschluss gefasst, die nächsten Pässe wirklich am frühen Moegen zu machen.

Aufstieg zum Forester Pass. Auf der Südseite hielt sich der Schnee noch in Grenzen.
Ich nähere mich dem Pass.
Oben angekommen am höchsten Punkt des PCT.
Auf der anderen Seite ging es dann los mit dem Postholing.
Eingesunken in der Schnee.
Nordseite des Forester Pass

Im weiteren Verlauf habe ich immer einen Pass pro Tag gemacht und habe am Vortag jeweils versucht, so nah wie möglich an den jeweils nächsten Pass zu gelangen, was im Großen und Ganzen recht gut geklappt hat.

Zwischendurch ging es (am sechsten Tag nach Kennedy Meadows, etwas schneller als geplant) über den Kearsarge Pass nach Bishop für einen Resupply und Zero. Der Weg über den Kearsarge Pass war ca. sieben Meilen lang. In der Sierra ist meine durchschnittliche Tagesdistanz ziemlich gesunken, sodass der Weg raus und wieder zurück über den Kearsarge Pass insgesamt quasi einem ganzen Tag entsprach. Es war außerdem auch noch eine etwa 40 Meimen lange Autofahrt bis Bishop, sodass es bisher die am weitesten vom Trail entfernte Stadt war. Ich habe mir dort mit Golden Calves in der ersten Nacht ein Zimmer geteilt. In der zweiten Nacht habe ich mir mit Caesar, Bumble und Freight Train ein Zimmer in einem anderen Hotel geteilt. Insgesamt war das einer der teuersten Zeros bisher, da in der Stadt gerade ein Fest stattfand (Mule Days) und außerdem Wochenende gefolgt vom Memorial Day am Montag war. Das hat die Hotelpreise in bisher unbekannte Höhen getrieben. Ansonsten war es in Bishop aber ganz nett.

Nachdem es dann wieder über den Kearsarge Pass zurück auf den Trail ging, bin ich für einige Tage zusammen mit Golden Calves gewandert. Wir haben die Pässe Glen Pass, Pinchot Pass und Mather Pass zusammen hinter uns gebracht. Mather Pass war der bisher meiner Meinung nach anspruchsvollste Pass.

Glenn Pass
Blick zurück auf Glen Pass
Schöner See
Fluss auf dem Weg zum Pinchot Pass.
800 Meilen geschafft!
Pinchot Pass
Ein Marmot liegt auf einem Fels.
Überall schöne Seen.
Golden Calves wandert vor mir.
Südseite des Mather Pass
Mather Pass. Vor mir Crooked und Golden Calves.
Wieder auf schneefreiem Gelände.
Viele Flüsse und Bäche fließen durch die Sierra Nevada. Über manche kommt man trockenen Fußes, über manche nicht.
An den tieferen Stellen ist schöner Wald und kein Schnee.
Manchmal gibt es auch schöne Wiesen.

Als nächstes kam dann der Muir Pass, den ich landschaftlich am schönsten fand. Hier lag auch der meiste Schnee bisher – insgesamt 8 Meilen am Stück.

Auf dem Weg zum Muir Pass.
Golden Calves kämpft sich durch den Schnee.
Oben gibt es eine Hütte für Notfälle, falls man in schlechtes Wetter gerät.
Auch auf dem Weg hinab viel Schnee. Vor mir laufen zwei Geschwister auf Thailand.
Ein gefrorenener See am Muir Pass.
Weiter unten dann wieder Wald und Flüsse.
Manchmal gibt es auch Brücken über die größeren Flüsse.

Danach kam mit Selden Pass der erste etwas niedrigere Pass und nach diesem habe ich einen kleinen Abstecher zum Vermilion Valley Resort gemacht. Dort konnte man kostenlos campen, um dann für sehr viel Geld zu duschen, Wäsche zu waschen und zu essen. Außerdem gab es einen kleinen Shop, der für einen einfachen Resupply gereicht hat, der bis zum nächsten Ort Mammoth Lakes gereicht hat.

Zwischen dem Resort und Mammorh Lakes lag mit Silver Pass allerdings noch ein weiterer Pass. Der wäre normalerweise nicht besonders anspruchsvoll gewesen, allerdings hatte sich das Wetter jetzt geändert. Zwei Tage lang gab es ein nasskaltes Regenwetter. Die Temperatur war aber dauerhaft über Null Grad, sodass hier (obwohl ich früh da war) wieder Postholing angesagt war und das auch noch im Regen. Es war aber irgendwie auch mal eine schöne Abwechslung mal nicht bei strahlendem Sonnenschein zu wandern und mit den ganzen Wolken geben die Berge ein ganz anderes, ebenfalls schönes Bild ab.

Silver Pass bei Regenwetter.
Manche Wolken sahen sehr Dunkel aus und gelegentlich wurde es richtig neblig.
Ein bisschen hat der Trail mich hier stellenweise an die Great Smoky Mountains auf dem AT erinnert (nur lag da kein Schnee).
See
Phasenweise kam dann auch der blaue Himmel mal wieder durch.

Jetzt bin ich in Mammoth Lakes, einer Art Ski-Ort. Hier habe ich erst eine Nacht im Motel 6 verbracht und bin dann um Geld zu sparen für die zweite Nacht ins Hostel umgezogen.

Hauptstraße in Mammoth Lakes
Das Hostel in Mammoth Lakes.

Insgesamt bin ich übrigens jetzt schon über 900 Meilen gewandert. Die 1000-Grenze ist nicht mehr weit und wird im Yosemite Nationalpark liegen der jetzt bald beginnt.

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