Tage 12-13: Herausfordernd

Tage 12-13: Herausfordernd

Die letzten beiden Tage haben mich bislang sowohl körperlich als auch mental am stärksten herausgefordert.

Der zwölfte Tag begann zunächst mit dem Frühstück im Paradise Valley Cafe. Das Café öffnet erst um 8:00 aber bereits zwanzig Minuten vorher warteten bereits etwa 20 Wanderer darauf, dass endlich die Tür des Cafés geöffnet wird. Gegen 7:50 öffnete sich dann die Tür und eine Frau kam mit einer riesigen amerikanischen Flagge heraus, die daraufhin am Haus befestigt wurde. So beginnt wahrscheinlich jeder ihrer Arbeitstage. Sie informierte uns, dass es noch 10 Minute dauere bis geöffnet würde und so hieß es weiter warten. Pünktlich um 8:00 erleuchtete dann ein Neon-Open-Schild und wir konntennendlich herein.

Ich saß zusammen mit Flash und Ralf am Tisch. Ich bestellte zunächst ein Omelette (normalerweise fotografiere ich mein Essen nicht, aber diesmal habe ich es gemacht), was ganz ok war, aber nicht so gut wie das zuvor in Julian. Nach dem ersten Gang waren wir alle noch hungrig, sodass wir kurzerhand einfach noch ein zweites Frühstück bestellten, bei mir in Form von French Toast. Die waren auch lecker. Nachdem ich die Rechnung meines 40-Dollar-Frühstücks bezahlt hatte, ging es dann nach kurzen Vorbereitungen (Microspikes abholen, Wasserflaschen füllen, Snacks vorbereiten, …) wieder auf den Trail. Ich bin zusammen mit Flash zum Trail gelaufen, aber auf dem Trail selbst ist er dann in seinem eigenem Tempo losgeflasht.

Absolute Ausnahme: Ich habe mein Essen fotografiert.

Die Trail fing heute erst noch recht harmlos an. Recht gemächlich ging es bergauf. Zwischendurch gab es immer wieder mal eine kurze Sicht auf das, was bevorstand: Die San Jacinto Mountains.

Einfacher Start. Am Horizont Mt. San Jacinto.
Microspikes habe ich ja jetzt. Die Saddle Junction ist das Ziel für Sonntag Nachmittag.

Langsam stieg der Trail auf immer höhere Lagen, so hoch wie zuvor noch nie. Mit zunehmender Höhe wurde es immer windiger, bis es sich zu einem richtigen Sturm entwickelte. Solange der PCT auf der östlichen Seite des Berges verlief war der Wind erträglicher, aber zwischendurch ging es immer wieder über Sattelpunkte, an denen der Wind so stark war, dass man aufpassen musste, nicht vom Trail geweht zu werden. Auch der Trail wurde beschwerlicher als sonst und ich habe mir gedacht, das die Hiker, die eine Wochen früher gestartet sind es hier im Schnee wirklich schwer gehabt haben mussten.

Das nächste Problem hier war das Wasser. Es gibt hier zwar Wasserquellen, aber die liegen alle abseits des Weges an tieferen Punkten des Berges. Die erste habe ich noch übersprungen, da ich noch genug Wasser vom Café hatte. Bei der nächste Quelle names Cedar Spring musste ich dann aber wohl oder übel den eine Meile langen steilen Side-Trail zur Quelle laufen. Um zumindest nicht so viel Gewicht schleppen zu müssen, bin ich nur mit Filter und Flaschen gelaufen. Die Quelle hatte tatsächlich gutes Wasser und ich habe mir dort 3L gefiltert. Mit meinen Wasserflaschen bin ich dann den Weg wieder hinaufgelaufen. Das war anstrengend, aber ohne Rucksack ging es immerhin einigermaßen schnell.

Mit fast 4L Wasser (mit dem Rest vom Café) ging es dann auf dem PCT weiter. Zwischendurch ging es durch ein Gebiet, in dem es in einem der letzten Jahre einen Waldbrand gegeben haben muss. Es standen überall verkohlte und vertrocknete Bäume herum, von denen einige auf den Trail gefallen waren. An manchen Stellen musste ich den Rucksack absetzen, um drunterher klettern zu können, über manche konnte man drüber klettern.

Ein Baum liegt auf dem Weg.
Hände hoch!

Gegen 18:00 bin ich am Fobes Saddle angekommen und habe mich entschieden, dort zu übernachten, obwohl ich eigentlich noch vier Meilen weiter wollte. Aber ich war schon zu erschöpft und so viel Tageslicht blieb ja nicht mehr (die Sonne geht gegen 19:30 unter). Daher habe ich zunächst im Sturm zu Abend gegessen (Chili-Ramen mit Erdnussbutter und Olivenöl, zum Nachtisch gehackte Datteln). Das war bei dem Wind sehr ungemütlich und sobald die Sonne verschwindet wird es auch schnell kalt. Gegen 19:00 habe ich dann mein Zelt aufgebaut und es so gut es ging gegen den Sturm abgesichert.

Steine wurden zum Glück von vorherigen Wanderern meistens schon an den Zeltplätzen abgelegt.
Lieber ein paar mehr, sicher ist sicher…

Der Wind hat zum Glück in der Nacht nachgelassen, sodass die Nacht ruhig war. Am nächsten Morgen bin ich gleich bei Sonnenaufgang wieder aufgestanden und nach einem schnellen Frühstück gleich losgewandert, schließlich lag ein anstrengender Tag vor mir.

Sonnenaufgang

Der Trail war an diesem Tag besonders anstrendend mit sehr viel Steigung und vielen umgestürzten Bäumen. Die meisten davon waren harmlos, aber bei etwa 10 davon musste man aufwendig drunterher oder außen herum klettern, was jeweils einige Zeit in Anspruch genommen hat.

Leider hat nach einigen Meilen mein Fuß angefangen weh zu tun, was sich im weiteren Verlauf des Tages immer weiter verstärkte. Die Umgebung war aber sehr schön und es gab auch den ersten Kontakt mit Schnee. Es waren aber immer nur kurze Abschnitte, die sich mit schneefreien Wegstücken abwechselnd, sodass ich auf die Microspikes verzichtet habe. Es war gut ohne machbar.

In den Tälen sind Wolken.
Der Trail ist hier anspruchsvoller.
Der erste Schnee.
Mehr Schnee.
Schöne Landschaft

Wegen der Schmerzen im Fuß, war ich froh, als ich endlich die Saddle Junction erreicht hatte. Von dort musste ich allerdings noch ca. 2 Meilen den „Devil’s Slide Trail“, was sich aber dramatischer anhört, als es ist. Nur recht steil war es. Am Ende gelangte ich zu einem Wanderparkplatz, wo jede Menge Autos standen. Ich habe einige Leute angesprochen und gefragt, ob sie mich nach Idyllwild mitnehmen können, aber nachdem keiner dazu bereit war, bin ich dann einfach losgelassen. Nach einigen Minuten hielt dann doch jemand an und fragte mich, ob ich mitwolle, was ich da kenne annahm. So war ich wenige Minuten später in „Downtown Idyllwild“, wo ich auch direkt Flash gefunden habe, der bereits 2 Stunden früher hier war.

Wir haben dann ins Idyllwild Inn eingecheckt – schön mal wieder ein richtiges Zimmer zu haben. Das Hotel hat auch unsere Wäsche gewaschen und nach ein Dusche sind wir dann noch Pizza essen gegangen.

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