Tag 48: Auf in die Sierra Nevada

Tag 48: Auf in die Sierra Nevada

Nachdem ich ja überlegt hatte, zwei Zeros in Kennedy Meadows zu machen, habe ich mich dann doch entschieden, es bei einem zu belassen und zum Trail zurückzukehren.

Zunächst habe ich aber noch bei Grumpy Bears gefrühstückt. Diesmal habe ich aber nicht das Hiker Breakfast genommen, sondern einen Breakfast Burrito und Rührei und das war auch die bessere Wahl. Der Burrito war echt lecker. Nach einer schnellen Dusche bin ich nochmal kurz zu Triple Crown Outfitters rüber gelaufen, um die letzten fehlenden Sachen zu kaufen. Ich brauchte noch Insektenspray, denn die Moskitos sollen in der Sierra jetzt zunehmend zu einem Problem werden. Das war einer der positiven Aspekte in der Wüste: Dort gab es so gut wie gar keine Moskitos. Außerdem habe ich mir noch etwas Zeltschnur gekauft, um die Schlaufen an meinen Heringen zu reparieren, die durch das Draufhämmern mit Steinen nach und nach langsam alle reißen. Zwei Käseblöcke gehörten auch noch zum Einkauf. Den wollte ich erst so spät wie möglich kaufen, damit er möglichst lange gekühlt bleibt.

Um 10:00 gab es dann einen Shuttle Service zurück zum Trail. Ich hatte mich mit mehreren Hikern pünktlich vor Grumpy Bears eingefunden und wir hatten unsere Rucksäcke schon auf die Ladefläche eines Pickups gewuchtet und auch selbst dort Platz genommen. Als dann der Fahrer kam, teilte er uns aber mit, dass wir im falschen Auto saßen. Also mussten wir alle wieder runter und zu einem anderen Pickup laufen. Der hatte mehr Sitze, sodass ich dann am Ende doch nicht auf der Ladefläche saß (was eigentlich in Kalifornien auch illegal ist).

Auf dem Trail war die Landschaft zu Beginn erst mal noch so wie immer, schließlich ging es erstmal noch auf relativ niedriger Höhe bei ca. 1800m los. Danach ging es aber stetig aufwärts und umso höher ich kam, desto mehr hat sich die Landschaft dann auch schon verändert. Heute ging es immerhin schon 1000m hoch auf jetzt 2800m. Hier ist der Trail schön bewaldet. Morgen geht es weiter hoch und in den nächsten Tagen wird der Trail fast durchgehend auf 3000 bis 3500m ubd zeitweise sogar bis 4000m Höhe liegen. Zunächst geht es jetzt durch den Sequoia National Forest und danach durch den Sequoia National Park.

Vom Trail aus kann man auch Mt. Whitney besteigen, was ich wohl auch machen werden. Der ist zwar nicht Teil des PCT, aber es ist mit 4421m der höchste Berg der USA außerhalb von Alaska. Dafür kann man auf jeden Fall mal einen zusätzlichen Tag investieren.

Ansonsten bin ich jetzt wirklich sehr froh, den Wüstenabschnitt hinter mir gelassen zu haben. Die Wüste war zwar schön, aber ich denke, der Trail wird mir ab hier besser gefallen, als bisher. Der Schneelevel ist dieses Jahr außergewöhnlich gering und liegt aktuell nur noch bei 26% vom langjährigen Durchschnitt. Das ist so gering, dass sogar fast alle ohne Eisaxt und nur mit Microspikes unterwegs sind. Ich habe mich ebenfalls entschieden, keine Eisaxt mitzunehmen, was neben Geld auch Gewicht spart. Es wird diesen Abschnitt des Trails zwar einfacher machen, aber irgendwie ist es auch etwas schade, da es auch etwas von dem Abenteuer weg nimmt, schließlich gehört der Schnee ja zur Sierra Nevada eigentlich dazu. In letzter Zeit häufen sich allerdings in Kalifornien die schneearmen Dürrejahre, was wahrscheinlich auch am Klimawandel liegt. Vermutlich wird es dieses Jahr in Kalifornien auch wieder viele Waldbrände geben, aber dann werde ich hoffentöich schon weiter im Norden sein. In Oregon und Washington hat es dafür etwas überdurchschnittlich viel geschneit, was Waldbrände dort unwahrscheinlicher machen sollte. Generell habe ich glaube ich sowohl mit dem Jahr als auch mit meinem Startdatum am 5. April viel Glück gehabt und die Bedingungen sind insgesamt für einen PCT-Thru-hike sehr gut.

Lion, Sophia und Patrick, mit denen ich zuletzt am meisten zu tun hatte, sind jetzt leider einen Tag hinter mir, da sie noch einen zweiten Zero in Kennedy Meadows machen. Aber früher oder später wird man sich auf dem Trail schon wieder sehen.

Am Anfang war die Landschaft noch recht wüstenhaft.
Es deutet sich aber schon mehr Wasser an. Das wird einer der Vorteile in der Sierra Nevada sein. Durch die Schneeschmelze gibt es hier Wasser ohne Ende.
Langsam ändert sich die Landschaft.
Eine kleine Brücke führt über den South Fork Kern River.
Die roten Dinger sind Snow Plants. Sie betreiben keine Photosynthese, sondern „zapfen“ die Wurzeln von Bäumen an.
Die PCT-Markierungen sehen hier ein bisschen komisch aus.
So gefällt mir der Trail sehr gut.
Zeltplatz am Beginn der Sierra Nevada.

Neu ist hier, dass man sein Essen und andere stark riechende Dinge (Topf, Zahnpasta, Sonnencreme, etc.) bärensicher in einem Bear Canister unterbringen muss. Das Ding ist leider ziemlich schwer (1,2 kg) und klobig und es macht das Packen des Rucksacks etwas kompliziert. Da muss ich mir jetzt erst mal ein neues System überlegen.

Mein Bear Canister.

Genau genommen braucht man den Bear Canister erst 40 Meilen nach Kennedy Meadows, aber Kennedy Meadows ist quasi die letzte Gelegenheit, um sich den zu besorgen. Ich habe ihn mir nur geliehen (von Triple Crown Outfitters) und werde ihn am Ende des Stücks, wo er Vorschrift ist, dann wieder abgeben.

Da ich nicht alles Essen für die nächsten 7 Tage rein bekommen habe, ist ein kleiner Teil momentan noch in meinem Foodbag. Ich wollte den eigentlich heute mit meinem Bärenseil im Baum aufhängen, was allerdings gründlich schief gegangen ist. Jetzt hängt das Seil im Baum fest und lässt sich nicht mehr befreien. Ich habe das eigentlich schon 100 mal auf dem Appalachian Trail gemacht und das ist mir dort kein einziges mal passiert… Leider habe ich damit jetzt die Umgebung vermüllt. Ich werde mir wohl irgendwo ein neues Seil kaufen müssen.

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